
Landstraßen gehören zu den gefährlichsten Straßen Deutschlands. Obwohl sich ein großer Teil der Verkehrsunfälle innerhalb geschlossener Ortschaften ereignet, ist der Anteil tödlicher Unfälle auf Landstraßen besonders hoch. Im Jahr 2024 kamen nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 57 Prozent aller im Straßenverkehr Getöteten auf Landstraßen ums Leben.
Zu den Ursachen für schwere Unfälle gehören hohe Geschwindigkeiten, riskante Überholmanöver, Gegenverkehr und ungeschützte Hindernisse wie Bäume neben der Fahrbahn. Hinzu kommen unübersichtliche Kurven, Einmündungen, landwirtschaftliche Fahrzeuge und Wildwechsel.
Wer auf einer Landstraße unterwegs ist, sollte deshalb nicht nur das jeweilige Tempolimit beachten, sondern seine Geschwindigkeit immer an Sicht, Wetter, Fahrbahn und Verkehr anpassen.
Was ist eine Landstraße?
Als Landstraße bezeichnet man im allgemeinen Sprachgebrauch Straßen außerhalb geschlossener Ortschaften, die nicht zu den Autobahnen gehören. Dabei ist „Landstraße“ nicht mit einer bestimmten Straßenklasse gleichzusetzen.
Auch Bundes-, Landes- oder Kreisstraßen können außerhalb geschlossener Ortschaften typische Landstraßen sein.
Entscheidend für die Verkehrsregeln ist deshalb häufig nicht die Bezeichnung der Straße, sondern beispielsweise, ob man sich innerhalb oder außerhalb einer geschlossenen Ortschaft befindet, welche Verkehrszeichen gelten und wie die Straße ausgebaut ist.
Wie schnell darf man auf der Landstraße fahren?
Für Pkw sowie andere Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen gilt außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, sofern keine andere Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet ist.
Die 100 km/h sind allerdings kein Tempo, das unter allen Umständen gefahren werden darf.
Die Straßenverkehrs-Ordnung verlangt, dass die Geschwindigkeit unter anderem den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen angepasst wird. Außerdem muss das Fahrzeug grundsätzlich innerhalb der übersehbaren Strecke angehalten werden können.
Bei starkem Regen, Schnee, Nebel, engen Kurven oder schlechter Fahrbahn können daher auch deutlich weniger als 100 km/h erforderlich sein.
Tempolimits auf Landstraßen

Für verschiedene Fahrzeugarten gelten außerorts unterschiedliche Höchstgeschwindigkeiten:
- Pkw und andere Kraftfahrzeuge bis 3,5 t: grundsätzlich maximal 100 km/h
- Pkw mit Anhänger: grundsätzlich maximal 80 km/h
- Kraftfahrzeuge über 3,5 bis 7,5 t: grundsätzlich maximal 80 km/h, soweit sie unter die entsprechende Regelung fallen
- Kraftfahrzeuge über 7,5 t: grundsätzlich maximal 60 km/h
- bestimmte Kraftfahrzeuge mit Anhänger: je nach Fahrzeugart maximal 60 beziehungsweise 80 km/h
Verkehrszeichen können niedrigere Höchstgeschwindigkeiten anordnen.
Innerhalb geschlossener Ortschaften gilt dagegen für Kraftfahrzeuge grundsätzlich Tempo 50, sofern keine andere Geschwindigkeit ausgeschildert ist.
Mehr zu den Folgen einer Geschwindigkeitsüberschreitung finden Sie in unserem entsprechenden Ratgeber.
100 km/h sind keine Richtgeschwindigkeit
Die auf vielen Landstraßen geltenden 100 km/h werden gelegentlich mit der Richtgeschwindigkeit auf Autobahnen verwechselt.
Das ist falsch.
100 km/h sind auf einer normalen Landstraße die zulässige Höchstgeschwindigkeit für Pkw und entsprechende Kraftfahrzeuge bis 3,5 Tonnen. Sie darf auch bei fehlender zusätzlicher Beschilderung nicht überschritten werden.
Gleichzeitig bedeutet das Tempolimit nicht, dass stets 100 km/h gefahren werden sollten. Bei einer engen oder schlecht einsehbaren Kurve können beispielsweise bereits 70 oder 80 km/h zu schnell sein.
Landstraße und Wildwechsel
Besonders auf Straßen durch Wälder und Felder muss mit Wildtieren gerechnet werden. Verkehrszeichen können auf besonders bekannte Wildwechselbereiche hinweisen, doch Tiere können grundsätzlich auch an anderen Stellen die Fahrbahn überqueren.
Deshalb sollte insbesondere bei schlechter Sicht, in der Dämmerung und an unübersichtlichen Wald- und Feldabschnitten mit angepasster Geschwindigkeit gefahren werden.
Taucht ein größeres Wildtier auf der Fahrbahn auf, sollte kontrolliert gebremst und das Fahrzeug möglichst in der eigenen Fahrspur gehalten werden. Riskante Ausweichmanöver können zum Verlust der Fahrzeugkontrolle oder zu einer Kollision mit dem Gegenverkehr oder einem Baum führen.
Überholen auf der Landstraße
Überholmanöver gehören zu den besonders gefährlichen Situationen auf Landstraßen, weil sich die Fahrtrichtungen häufig eine gemeinsame Fahrbahn teilen.
Nach der Straßenverkehrs-Ordnung darf nur überholen, wer übersehen kann, dass während des gesamten Überholvorgangs eine Behinderung des Gegenverkehrs ausgeschlossen ist.
Außerdem muss das überholende Fahrzeug mit wesentlich höherer Geschwindigkeit fahren als das zu überholende Fahrzeug.
Bei unklarer Verkehrslage darf nicht überholt werden. Gleiches gilt selbstverständlich, wenn ein Verkehrszeichen ein Überholverbot anordnet.
Besondere Vorsicht ist unter anderem erforderlich bei:
- Kurven und unübersichtlichen Straßenabschnitten
- Kuppen
- Einmündungen und Kreuzungen
- landwirtschaftlichen Fahrzeugen
- Radfahrern und Fußgängern
- schlechten Sichtverhältnissen
- Nässe, Schnee oder Nebel
Wie viel Abstand muss man beim Überholen von Radfahrern halten?
Beim Überholen von Radfahrern gelten konkrete Mindestabstände.
Außerhalb geschlossener Ortschaften müssen Kraftfahrzeuge beim Überholen von Radfahrern, Fußgängern und Fahrern von Elektrokleinstfahrzeugen grundsätzlich mindestens 2 Meter Seitenabstand einhalten.
Innerhalb geschlossener Ortschaften beträgt der vorgeschriebene Mindestabstand 1,5 Meter.
Ist ein sicheres Überholen mit dem erforderlichen Abstand nicht möglich, muss hinter dem langsameren Verkehrsteilnehmer geblieben und eine geeignete Überholmöglichkeit abgewartet werden.
Darf man eine durchgezogene Linie zum Überholen überfahren?
Fahrbahnmarkierungen sind auf Landstraßen besonders wichtig. Eine durchgezogene Linie darf grundsätzlich nicht überfahren werden, wenn sie die Fahrstreifenbegrenzung beziehungsweise Fahrbahnbegrenzung entsprechend den Vorschriften markiert.
Weitere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber zur Fahrbahnbegrenzung und Fahrbahnmarkierung.
Eine unterbrochene Mittellinie bedeutet dagegen nicht automatisch, dass ein Überholmanöver gefahrlos oder erlaubt ist. Die übrigen Überholregeln gelten weiterhin.
Ist beispielsweise die Verkehrslage unklar oder kann der Gegenverkehr nicht für den gesamten Überholvorgang sicher ausgeschlossen werden, darf auch bei unterbrochener Linie nicht überholt werden.
Langsame Fahrzeuge auf der Landstraße
Anders als auf Autobahnen und Kraftfahrstraßen dürfen normale Landstraßen grundsätzlich auch von Fahrzeugen benutzt werden, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit weniger als 60 km/h beträgt.
Deshalb muss beispielsweise mit Traktoren und anderen landwirtschaftlichen Fahrzeugen gerechnet werden.
Allerdings darf ein Kraftfahrzeug ohne triftigen Grund nicht so langsam gefahren werden, dass dadurch der Verkehrsfluss behindert wird.
Eine Kraftfahrstraße oder Autobahn unterliegt dagegen besonderen Zugangsvoraussetzungen. Dort dürfen grundsätzlich nur Kraftfahrzeuge benutzt werden, deren bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit mehr als 60 km/h beträgt.
Warum sind Landstraßen so gefährlich?
Auf Landstraßen kommen mehrere Risikofaktoren zusammen. Die gefahrenen Geschwindigkeiten sind deutlich höher als innerorts, während gleichzeitig häufig keine bauliche Trennung zwischen den Fahrtrichtungen vorhanden ist.
Typische Gefahren sind:
- Gegenverkehr: Fahrfehler und misslungene Überholmanöver können zu schweren Frontalkollisionen führen.
- Bäume: Wer von der Fahrbahn abkommt, kann mit hoher Geschwindigkeit gegen einen Baum prallen.
- Kurven und Kuppen: Der weitere Straßenverlauf und Gegenverkehr sind teilweise erst spät erkennbar.
- Wildwechsel: Tiere können überraschend auf die Fahrbahn laufen.
- Landwirtschaftlicher Verkehr: Langsame oder breite Fahrzeuge können hinter Kurven plötzlich auftauchen oder auf Felder abbiegen.
- Wetter: Regen, Nebel, Schnee und Glätte können Sichtweite und Bremsweg erheblich beeinflussen.
- Radfahrer: Gerade auf schmalen Straßen ist ein Überholen mit ausreichendem Seitenabstand nicht immer sofort möglich.
Sicher auf der Landstraße fahren
Vorausschauendes Fahren ist auf Landstraßen besonders wichtig. Fahrer sollten ausreichend Abstand halten und ihre Geschwindigkeit so wählen, dass sie auf unerwartete Situationen reagieren können.
Vor unübersichtlichen Kurven und Kuppen sollte die Geschwindigkeit rechtzeitig reduziert werden. Riskante Überholmanöver, um wenige Sekunden Fahrzeit zu sparen, sind zu vermeiden.
Auch die zulässigen 100 km/h sollten nur gefahren werden, wenn Straße, Sicht, Wetter und Verkehr dies tatsächlich erlauben.
Häufige Fragen zur Landstraße
Wie schnell darf ein Pkw auf der Landstraße fahren?
Für Pkw gilt außerhalb geschlossener Ortschaften grundsätzlich eine Höchstgeschwindigkeit von 100 km/h, sofern keine andere Beschränkung ausgeschildert ist und es sich nicht um eine Straße handelt, für die besondere Regelungen gelten.
Wie schnell darf ein Pkw mit Anhänger auf der Landstraße fahren?
Für Pkw mit Anhänger beträgt die zulässige Höchstgeschwindigkeit außerorts grundsätzlich 80 km/h. Die bekannte Tempo-100-Regelung für entsprechend zugelassene Gespanne betrifft Autobahnen und Kraftfahrstraßen und erlaubt nicht automatisch Tempo 100 auf einer gewöhnlichen Landstraße.
Muss man auf einer Landstraße mindestens 60 km/h fahren?
Nein. Auf einer gewöhnlichen Landstraße gibt es keine allgemeine Mindestgeschwindigkeit von 60 km/h. Ohne triftigen Grund darf allerdings nicht so langsam gefahren werden, dass der Verkehrsfluss behindert wird.
Wie viel Abstand muss man beim Überholen eines Fahrrads halten?
Mit einem Kraftfahrzeug müssen beim Überholen von Radfahrern grundsätzlich mindestens 1,5 Meter innerorts und mindestens 2 Meter außerorts eingehalten werden.
Darf man bei einer unterbrochenen Mittellinie immer überholen?
Nein. Eine unterbrochene Linie allein macht ein Überholmanöver nicht automatisch zulässig. Unter anderem müssen Gegenverkehr und Verkehrslage sicher beurteilt werden können. Bei unklarer Verkehrslage ist das Überholen verboten.
Gilt auf jeder Landstraße Tempo 100?
Nein. Verkehrszeichen können niedrigere Geschwindigkeiten vorschreiben. Außerdem hängt die zulässige Höchstgeschwindigkeit von der Fahrzeugart ab. Unabhängig davon muss die tatsächlich gefahrene Geschwindigkeit immer den Straßen-, Sicht-, Wetter- und Verkehrsverhältnissen angepasst werden.
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